Hilfeleistung H3 - Hochwasser durch Starkregen



Einsatznummer: 2021/14

Einsatzort: gesamte Ortslage Stadtkyll

Einsatzzeit: 14. und 15.07.2021

Fahrzeuge: HLF10, GW-Technik, MTF

Einsatz:

Nachdem wir die Unwetterereignisse bei uns haben etwas sacken lassen, möchten wir unsere Tätigkeiten an diesen Tagen nun doch auf der Internetseite darstellen.

Zunächst möchten wir jedoch festhalten, dass wir in der Ortsgemeinde Stadtkyll unter Berücksichtigung der Tragweite, die diese Starkregenereignisse in den unserer Nachbarschaft (Ahr, Erft, ….) angerichtet haben, mit einem blauen Auge, oder eher nur einen kleinen Kratzer davon gekommen sind. Auch wenn jeder vollgelaufene Keller für die Betroffenen mit erheblichem Aufwand und Verlusten einhergeht, sind wir in der glücklichen Lage, dass unsere Infrastruktur nur minimal betroffen ist. Wir haben Strom, fließendes Wasser, Heizung und ein funktionierendes Abwassersystem.


Zu den Ereignissen und unseren Bemühungen folgende Informationen:

Der GW-Technik wurde bereits am Nachmittag um 16:30 Uhr mit unserem Mehrzweckboot zur Menschenrettung nach Ahrdorf gerufen. Mit dem Boot, aber vor allem dem geländegängigen Unimog war der GW-Technik bis spät in der Nacht in unserer Verbandsgemeinde Gerolstein unterwegs, um Menschen aus Häusern zu evakuieren bzw. Menschen in Notlagen in Sicherheit zu bringen. Unter Berücksichtigung der Einzelschicksalen werden wir auf weitergehende Einzelheiten hier nicht eingehen.




Die FF Stadtkyll wurde durch Vollalarm um ca. 17:45 Uhr alarmiert. Die Starkregenereignisse hatten dazu geführt, dass es in verschiedenen Stellen im Ort zu Überflutungen im Bereich von Einlaufbauwerken gekommen ist. Nachdem wir diesen zunächst noch mit Sandsäcken und Sperren die Schranken aufzeigen konnten, stellte sich später jedoch sehr schnell die Erkenntnis ein, dass wir gegen die anströmenden Wassermassen mit diesen Mitteln nicht weiterkommen.

Parallel hierzu hielten wir unsere Stauseen im Blick und kontrollierten diese in kurzen Intervallen. Der Campingplatz wurde zwischenzeitlich evakuiert. Leider mussten wir um kurz nach 21 Uhr die Meldung absetzen, dass die Krone des Vorstaus im Landal Green Park überschwemmt wird. Spätestens zu diesem Zeitpunkt haben wir uns darauf beschränkt, die Anwohner im Bereich der Wirft zu warnen, da wir damit rechneten, dass der im letzten Jahr installierte Überlauf des Hauptstausees kurzfristig auch anschlagen wird. Um ca. 22:00 Uhr ist dies sodann der Fall gewesen. Die Wirftstraße war durch die Wassermassen, welche von den Seitenhängen heruntergekommen sind, auch nur noch bedingt befahrbar, so dass wir diese sperrten. Als die Wassermassen der Wirft dann auch die B421 überspülten, sperrten für die B 421 ebenfalls für den Verkehr. Durch Stromausfall und späteren Zusammenbruch des Digitalfunks zogen wir uns weitestgehend ins Feuerwehrhaus zurück und hielten uns in Alarmbereitschaft, zur Rettung von Menschenleben. Den Kampf gegen die Wassermassen haben wir aufgegeben.



Im Rahmen dessen wurden wir kurzfristig zu zwei Einsätzen nach Jünkerath alarmiert. Beide Einsätze wurden von unserem HLF 10 gefahren. Der zweite Einsatz wird für unser doch noch recht neues HLF wohl der letzte Einsatz für eine gewisse Zeit gewesen sein. Gemeldet waren von Wassermassen eingeschlossene Personen in einem Fahrzeug, die in diesem zu ertrinken drohten. Nach mehreren Kontaktaufnahmen mit diesen Personen entschied unsere Gruppe, in die von der Kyll gefluteten Bahnhofstraße einzufahren. Leider hat eine Welle den Luftfilter unseres HLF erwischt, so dass der Motor ausging. Da die Kyll zu diesem Zeitpunkt immer weiter stieg, lief die Mannschaftskabine voll Wasser und unsere Mannschaft rettete sich auf das Dach des HLF und wartete dort auf Hilfe. Hier möchten wir uns das erste Mal recht herzlich bedanken, und zwar bei Gerd Müller – Geschäftsführer der Firma Katec in Jünkerath. Er hat unsere Einheit mit einem Radlader vom Dach des HLF gerettet!



Nachdem die Wassermassen um ca. 2 Uhr wieder etwas zurückgegangen sind, haben wir abends die B421 wieder so weit geräumt, dass diese wieder befahrbar war. Die Erkundung der Wirftstraße zeigte uns, dass der Staudamm sogar überflutet worden ist und deutliche Schäden an Staudamm und Wirftstraße hinterlassen hatte. Der Vorstau war in einem Teilbereich erheblich abgetragen worden.




Die folgenden Tage waren sodann geprägt die Bürger in Stadtkyll zu unterstützen, die Keller frei von Wasser zu bekommen, Treibgut von den Straßen zu räumen. Aber wie eingangs erwähnt, hatten wir Glück im Unglück. Keine Einsatzkräfte haben sich verletzt. Unser HLF ist natürlich ein herber Verlust, aber das Fahrzeug war versichert. Mal schauen, wie wir die Zeit der Reparaturen überbrückt bekommen.




Letztendlich sagen wir „Danke“ an:

  • nochmals Gerd Müller für die Rettung unserer Gruppe vom Dach des HLF

  • der Firma Backes Bau und Transporte GmbH, u. a. für die Bereitstellung eines Radladers für die Räumarbeiten am Donnerstag und und und

  • Unseren Kameraden Stephan Peters der uns in der Übergangszeit ein Fahrzeug zur Verfügung stellt, um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen.

  • Christian Metlen für die Bereitstellung von Sandsäcken

  • Marco Krebs (Linden-Reisen) für die Unterstützung in der Nacht mit seinem Unimog

  • Jochen Wiesen für den Einsatz des Traktors mit Güllefass zum Leerpumpen von Kellern

  • Stefan Juchems für die Bereitstellung des Hoftracks sowie für die Verpflegung am Donnerstag

  • Herrn Spodat vom REWE Stadtkyll für die Verpflegung Mittwochabend, die uns durch die Nacht gebracht hat

  • Die vielen Helfer im Ort, die uns viel Arbeit abgenommen haben, in dem Sie von sich aus aktiv geworden sind

Sollten wir an dieser Stelle jemanden vergessen, bitten wir vielmals um Nachsicht. Das ist nicht böse gemeint, aber es ist uns evtl. nach den doch recht intensiven Eindrücken der Tage so nicht präsent.








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